Zwetschgen und Pflaumen

Haben Sie gewusst dass...

...es über 2000 Zwetschgen- und Pflaumensorten gibt?

...Herr und Frau Schweizer durchschnittlich 1 Kilo Zwetschgen und Pflaumen vertilgen?

Geschichte

Zwetschgen und Pflaumen zählen zum Steinobst, wobei die Zwetschge eine Unterart der Pflaume ist. Pflaumen stammen wahrscheinlich aus einer zufälligen Kreuzung von Schlehdorn und Kirschpflaume. Bereits in der Antike wurden um 150 v. Chr. Pflaumen von den Rö­ mern kultiviert. Schon damals muss man von der verdauungsfördernden Wirkung der Pflaumen gewusst haben, denn der römische Dichter Marcus Valerius Martial schrieb diese Worte: «Nimm Pflaumen für des Alters morsche Last, denn sie pflegen zu lösen den harten Bauch.» Von Rom aus verbreiteten sie sich über ganz Mitteleuropa, was heute dem Verdienst Karls des Grossen zugerechnet wird. Im Laufe der Zeit haben sich viele Kreuzungen und Unterarten der Pflaume entwickelt. Dazu gehören neben der Zwetschge auch die kirschgrossen gelben Mirabellen. 

 

Merkmale

Zwetschgen und Pflaumen voneinander zu unterscheiden ist nicht immer einfach, durch Kreuzungen und Züchtungen haben sich die Unterschiede zwischen ihnen zum Teil sehr verwischt. Allgemein jedoch kann man sagen, dass die Pflaume meist grösser und rund, mit einer ausgeprägten Naht, und die Zwetschge eher oval geformt ist. Der Zwetschgenkern lässt sich ausserdem leichter vom Fruchtfleisch lösen als der bei der Pflaume. Die Standortansprüche der Zwetschge wie auch der Pflaume sind gering, doch wirkt sich regnerisches Wetter negativ auf die Fruchtqualität aus.  

Botanik

Die Blüten der Zwetschge weisen einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Zentimer auf, diejenigen der Pflaume 2bis 4 Zentimeter. Die Kelchblätter der Zwetschge sind länglich und nur teilweise behaart, wohingegen diejenigen der Pflaume rundlich bis länglich und vollständig behaart sind. Die Farbe der Zwetschge bei der Reife variiert von Blau bis Blauschwarz, die Farben der Pflaume kommen in einem erheblich breiteren Farbenspektrum daher: von Schwarz, über Blau, Violett, Rot, Gelb bis Gelbgrün sind alle Nuancierungen vertreten. Zwetschgen und Pflaumenbäume wachsen oft sparrig und werden bis zu 6 Meter hoch. Das Holz ist hart, dicht und spröde. Es ist sehr schwer zu trocknen, schwindet stark und reisst sehr leicht. Das Kernholz ist aber gut zu drechseln und zu polieren, und Pflaumenholz wird hauptsächlich für Holzblasinstrumente und Kopien historischer Musikinstrumente verwendet.

 

Anbau

Der Zuckergehalt beider Früchte hängt sehr stark davon ab, wie viele davon ein Baum trägt. Je weniger Früchte am Ast hängen, desto süsser und schmackhafter werden sie. Auch der richtige Pflückzeitpunkt ist entscheidend für die Qualität. Obwohl Zwetschgen und Pflaumen zu jenen Steinfrüchten zählen, die auch nach der Ernte weiterreifen können, werden zu früh gepflückte oder zu wenig reife Früchte auch nach vier Wochen Lagerung nicht mehr schmackhaft. Früher bevorzugte der Handel wegen der Transportschäden harte Früchte. Die heutigen neuen Sorten sind zum Glück viel weniger transportanfällig und erlauben dadurch eine spätere Pflü­ ckung für einen schmackhafteren Verzehr.

 

Reifung

Ähnlich wie bei den Kirschen erstreckt sich die Essreife von Zwetschgen und Pflaumen lediglich über etwa drei Wochen. Die ersten Sorten reifen gegen Ende Juli und die spätesten Ende September. 

Lagerung

Zwetschgen und Pflaumen sollten im Kühlschrank aufbewahrt werden. Damit sie nicht zuviel Wasser verlieren, empfiehlt es sich, sie in Plastiksäckchen oder in ein feuchtes Tuch zu packen. In einem kühlen Keller, der nicht mehr als 10 °C warm wird, kann man sie auch problemlos lagern. Zwetschgen und Pflaumen reifen im Gegensatz zu Aprikosen, Pfirsichen oder Nektarinen nicht wirklich nach, also nützt es nichts, zu harte Früchte bei Zimmertemperatur liegen zu lassen. Sie werden dann zwar weicher, aber nicht schmackhafter. Zu feste Zwetschgen und Pflaumen eignen sich zum Einmachen und zu weiche vorzüglich zum Dörren. Tiefgefroren sind sie über einen längeren Zeitraum gut haltbar. Wenn Zwetschgen und Pflaumen gelagert werden, sollte man sie vorher nicht waschen, denn dadurch verlieren sie ihre wachsartige, als «Reif» zu erkennende Schutzschicht und welken dadurch schneller.

 

Gesundheit

Zwetschgen und Pflaumen helfen bei Stoffwechselkrankheiten, Leber- und Gallenleiden. Sie enthalten viele Mineralstoffe (Magnesium, Kalium, Eisen, Kalzium) und viel Fruchtsäure. Zudem liefern sie die Vitamine A, B und C. Pflaumen fördern die Verdauung und wirken auch bei Verstopfungen. Besonders wirksam sind dabei getrocknete Pflaumen oder Pflaumensaft. Regelmässiges Einnehmen reguliert sanft die Verdauung und macht Abführmittel überflüssig. Die Schalen der Zwetschgen und Pflaumen enthalten ausserdem Anthocyane, die vor Krebs und Herzinfarkt schützen.

Verwendung

Zwetschgen und Pflaumen sind vielfältig einsetzbar. Sie eignen sich vortrefflich für den Frischverzehr und ergänzen als fruchtiger Belag den Kuchen. Man kann sie aber auch zu Mus, Konfitüre oder Kompott verarbeiten. Sie lassen sich nicht nur hervorragend einkochen, sondern auch ausgezeichnet einfrieren. Wer sich saisongerecht ernähren will, kann mit Zwetschgen und Pflaumen die Zeit nach den Kirschen und vor den Äpfeln abwechslungsreich ausfüllen. Kenner schätzen Zwetschgen und Pflaumen aber auch als Zwetschgenwasser oder -schnaps oder edel und im Fass gereiften «Vieille Prûne». Pflaumen zerfallen beim Kochen, daher verwendet man sie nur selten zum Backen. Zwetschgen hingegen zerfallen nicht und werden mit Vorliebe in Kuchen und Gebä­ cken verwendet.

 

Vier Untergruppen

Eine Pflaume ist nicht einfach eine Pflaume. Es gibt unzählige Sorten. Genau genommen ist «Pflaume» der Oberbegriff für vier Untergruppen: sogenannte echte Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen und Ringlotten alias Renekloden oder Reneclauden. Unterscheidungsmerkmale sind unter anderem Farbe, Form, Geschmack, Festigkeit des Fruchtfleisches sowie die Löslichkeit des Steins vom Fruchtfleisch. Alle diese Arten sind ein beliebtes Fressen für Würmer. Beim Einkauf sollte daher auf Aussehen und Konsistenz besonders geachtet werden. Feste, pralle Früchte sind das beste Zeichen für würmerfreie Ware. Überreife, weiche Früchte sollten nicht mehr zum Frischverzehr verwendet werden. 

Bleiben noch die Mirabellen und Ringlotten: Mirabellen sind kleine, runde, gelbe Früchte mit grünlichgelbem bis orangegelbem, leicht steinlösendem Fruchtfleisch. Sie haben einen aromatischen, süssen Geschmack. Ringlotten sind mittelgrosse Früchte mit einer Bauchnaht und grünlicher, gelber, violetter oder roter Schalenfarbe. Das Fruchtfleisch ist fest, grün bis gelb, saftig und sehr süss, jedoch schlecht vom Stein zu lösen.